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Meine Penichette, oder Liebeserklärung an ein Boot

Meine erste Penichette, eine 935

Es war am 27.5.1988, als ich zum erstenmal mit einer Penichette, der Buffon, in Joigny ablegte und eine wunderbare Woche auf dem Canal de Nivernais verbrachte. Es sollte nicht meine letzte sein, viele weitere Reisen folgten, aber von da an nur noch mit einer Penichette Classique.

Warum? Wo liegt gerade der Reiz dieses Bootes? Nun, um dies zu beschreiben, möchte ich erst mal die Herkunft des Namens Penchette erläutern. Penichette kommt von Peniche, das waren die Lastkähne, die vor knapp 100 Jahren die Kanäle bevölkerten. Peniche/Penichette, letzteres ist im französischen die Verkleinerung des Wortes. Also kann man Penichette guten Gewissens frei als "Lastkähnchen" übersetzen.

Ein Bootstyp, der sich nicht nur rein äußerlich in die Landschaft einfügt, sondern auch die Erfahrungen und Vorzüge einer hundertjährigen Erfahrung im Bootsbau in sich trägt. Der weit nach hinten gezogene Steuerstand im hinteren Drittel des Bootes, genau auf dem Drehpunkt des Bootes, bietet bei schwierigen Manövern eine optimale Rundumsicht nach vorne und nach hinten! Man ist nie am rätseln, was das Boot tut.

Was macht gerade den Reiz einer Penichette Classique aus? Einem Boot, das keinen Z-Antrieb und schon gar kein Querstrahlruder besitzt, (Das haben aber andere Boote dieser Klasse anderer Werften auch nicht.) ein Boot, dass einfach nur eine feststehende Schraube und ein Ruder hat? Genau das macht für mich den besonderen Reiz aus: Die Penichette Classique ist ein Boot, dass wirklich einfach zu steuern ist, aber dennoch aufmerksamen Kapitänen erlaubt, die Physik, die letztendlich hinter der Sache steht, zu erfahren. Doch davon möchte ich demnächst an anderer Stelle erzählen.

Noch ein Wort zur Steuerung: Im Gegensatz zu manch anderem Boot ist die Penichette mit einer hydraulischen Steuerung ausgestattet. Das bedeutet, sie ist absolut spielfrei, und das Ruder folgt dem Steuerrad auf den Millimeter genau. Das werden Sie sicher zu schätzen wissen, wenn Sie einmal ein Boot mit Seilzugsteuerung gefahren haben, die, prinzipbedingt selbst bei bester Einstellung, eine halbe Umdrehung Spiel hat!

Doch nun zu einem, für die Familienmitglieder des Kapitäns wichtigeren Seite der Penichette: Leben an Bord.

Familienidyll auf dem Vorderdeck

Das Vorderdeck ist bei entsprechendem Wetter ein beliebter Aufenthalt für die Familie. (Zugegeben, manchmal muß ich an meiner Göttergattin vorbeischielen, um die nächste Schleuse zu finden.) Übrigens, die Erdbeeren, die mein Sohn auf diesem Foto gerade genießt, erwarben wir an der letzten Schleuse.

Aber auch der Steuermann muß nicht auf Sonne und Frischluft verzichten. Die Frontscheiben lassen sich hochklappen und das große Schiebedach im Bereich des Steuerstandes läßt sich weit öffnen. Da kann man auf eine Flybridge leichten Herzens verzichten. Und wenn nicht, Boote mit Flybridge hat Locaboat auch im Programm.

Um Ihnen das Innere der Boote vorzustellen, möchte ich erst einmal den Grundriß einer Penichette 935 Classique - mit freundlicher Genehmigung von Locaboat von deren Seite übernommen - zeigen:

Bild: Locaboat

Es ist das ideale Boot für eine Familie mit zwei Kindern. Die Kinder schlafen vorne in der Doppelkabine, während die Eltern im Aufenthaltsraum hinten (Der Tisch ist in Minutenschnelle umgebaut.) bequem Platz finden. Das Bett im Mittelschiff dient bei uns immer als willkommene Ablagemöglichkeit für alles "Gerümpel" das sonst immer im Weg liegen würde. Die Küchenzeile bietet alles was man braucht: Kühlschrank mit Gefrierfach, Spülbecken und Gasherd mit Backröhre. Nur die Geschirrspülmaschine fehlt. ;-)

Die Sanitärzelle ist, was die Größe betrifft, auf das absolute Minimum beschränkt, aber völlig ausreichend. Sie bietet alles was man braucht: Marine-WC, Waschbecken und Duschmöglichkeit. Letztere besteht in der Tatsache, dass man den Wasserhahn des Waschbeckens (Wie beim Friseur) herausziehen, und über den Kopf halten kann. Nicht sonderlich komfortabel, aber es geht! (Dauerduschen verbietet sich wegen dem begrenzten Wasservorrat sowieso!)

Dass die Boote bestens gewartet sind, und dass die Einweisung von wirklich kompetenten Leuten in fließendem Deutsch stattfindet, ist bei Locaboat selbstverständlich.

Fazit: Ein Boot mit nostalgischem Flair, und perfekter Technik. Mieten Sie es besser nicht, es könnte Suchtgefahr bestehen.


Verbesserungsvorschläge:

Nichts ist so perfekt, dass man es besser machen könnte. Viele Verbesserungen sind inzwischen seit meiner ersten Fahrt mit der Buffon in die Flotte eingeflossen: So werden die Boote inzwischen ausnahmslos (zumindest hatte ich die letzten Jahre nichts anderes mehr gesehen) mit einer vollautomatischen Warmluftheizung beheizt, und nicht mehr mir den kleinen gasbetriebenen Katalyseöfchen, die man oft nur mit viel Mühe zum Laufen brachte. (Dann hatten sie aber eine beachtliche und mehr als ausreichende Heizleistung!) Auch die Warmwasserversorgung erfolgt nicht mehr über einen Durchlauferhitzer, der im Zweifelsfalle eher zu wenig warmes Wasser lieferte, sondern über einen zentralen Boiler. Und, und, und...

Aber es gibt immer noch Dinge, die dieses Boot noch perfekter machen könnten:


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